12.- 18. Juli.
Diese Woche war die bis dahin Ereignisreichste von allen.
Wenn mir Aruba auch sofort gefallen hatte, so wünschte ich mich während der ersten Tage dieser Woche Gott weiß wohin.
Der Montag verlief zunächst nicht weiter ungewöhnlich. Im Büro gab es wenig zu tun, da für die kommenden Festlichkeiten schon alles vorbereitet war. Deswegen gab es an diesem Tag pünktlich Mittagessen, was entgegen der bisherigen Erfahrung... etwas interessant schmeckte. Ich traute mich aber nicht, die Gastfreundschaft von Edwina auf die Probe zu stellen und würgte das Zeug hinunter. Hätte ich geahnt, dass ich in der kommenden Nacht auf die "Gastfreundschaft" der Intensivstation angewiesen sein würde- ich hätte keinen Bissen angerührt.
So aber machten wir am Nachmittag noch einige dringende Erledigungen auf der Insel (den obligatorischen Besuch im Maggie's, wo Edwina für 150$ ein winziges Cremedöschen erwarb....) und gingen dann bei Zeiten schlafen. Gegen Mitternacht fand mich Shanon auf den Fliesen liegend im Badezimmer. Auf dem Weg ins Krankenhaus in St Nicolas wurde ich wieder wach. So eine Salmonellenvergiftung fühlt sich ziemlich cool an, wenn man bei 120km/h auf einem rumpligen Highway durchgeschüttelt wird. Der Anblick des Hospitals war auch auf Anhieb vertrauenserweckend. Es gab kaum Sitzgelegenheiten und die drei Klappstühle, die irgendwo herumstanden, waren besetzt. Zum Glück verlor ich nach 10 Minuten wieder das Bewusstsein- dadurch bekam man den Komfort, die zweieinhalb Stunden Wartezeit auf einer Liege verbringen zu dürfen...^^ Mit klitschnassen Sachen schlotterte ich unter einer erbarmungslosen Klimaanlage vor mich hin. Eine völlig verschnupfte Schwester brachte schließlich die Infusion und irgendeine Spritze. Auf die Frage, was sie mir da zu verabreichen gedenkt, meinte sie stirnrunzelnd: "Schtopp Schmarz". Ah ja. Ich lehnte Schtopp Schmarz dankend ab und viel zurück in meinen Dämmerzustand, der mich interessante Dinge an der Wand sehen ließ... Über die Qualitäten des diensthabenden Arztes wollte ich gar nicht erst nachdenken. Gegen halb drei kam eine junge hochgewachsene Frau. Ich schaute kurz hoch und nahm mit Erleichterung zur Kenntnis, dass es sich um eine Europäerin handelte. Wir kannten uns bereits, da ich sie kurz zuvor mit der Hand vorm Mund im Gang umgerannt hatte. Sie war so freundlich gewesen, mir die Toilette zu zeigen.. Die Ärztin verabreichte mir diverses braunes Zeug und ich trank willenlos jedes Medikament das sie mir gab. Anschließend kommentierte sie freundlich, dass ich soeben die höchste Dosis Brechmittel getrunken hatte, die man verabreichen darf... Wenn ich bis dahin der Meinung war, es könne nicht mehr schlimmer werden...nunja...^^
Am nächsten Morgen lies man mich gehen. Ich dankte der heiligen Arubala für die Entlassung aus dieser Folterkammer. Die kommenden Tage waren wahnsinnig spannend... Ich vegetierte in meinem Zimmer (Südseite) vor mich hin. Im Übrigen kann man Moskitos mit einer Hand in der Luft erwürgen!...
Nach einem Tag konnte ich wieder Knäckebrot essen. Nach zwei Tagen konnte ich Knäckebrot ohne Paracetamol essen. Und nach drei Tagen konnte ich kein Knäckebrot mehr sehen.
Zum Glück wendete sich das Blatt am Samstag, den 17. Juli. Eine besonders große Hochzeit stand auf dem Plan. Sie sollte auf der Renaissance Island stattfinden, einer Privatinsel, die Aruba direkt vorgelagert ist (siehe Bilder bei studi). Am frühen Morgen fuhren wir zum Hafen, von wo aus uns ein Schnellboot zu dieser wirklich traumhaft schönen Insel brachte. Der frische Wind tat gut, auch wenn die Wellen ganz schön schaukelten. Auf der Renaissance Island angekommen, gab es eine Menge zu tun. Das Paar hatte ein sehr aufwendiges Set up gebucht, welches nun aufgebaut wurde. Shanon und Victor schufteten bis zur Erschöpfung. Mein Job an diesem Tag bestand darin, alle mit Wasser zu versorgen und selbst ausreichend zu trinken. Zwischendurch fotografierte ich Mangrovenwälder, schillernde Iguanas, Vögel und freilebende Flamingos. Am späten Nachmittag trafen die ersten Gäste ein. Sie schienen alle recht gut betucht zu sein (später erzählte mir einer der Kellner, dass für die gesamte Hochzeit 35ooo$ bezahlt worden waren. Die Insel sei u.a. Hochzeitslocation für Timbaland und ähnliche Prominenz gewesen).
Als die Braut kam, versammelten sich etliche junge Männer mit Palmenwedeln um die Anlegestelle um die Graziella vor der Sonne zu schützen. In meinen Augen war sie von allen jungen Damen bisher die am wenigsten attraktivste- aber offenbar die Wohlhabendste. Die Zeremonie, deren Herrschaft ein merkwürdiger jüdischer Rabbi inne hatte, verlief reibungslos (bis auf dass meine Kamera mal wieder im richtigen Moment "low battery" anzeigte...) Im Anschluss fand der offizielle Empfang statt. Dazu überquerten die Gäste eine Art Hängebrücke, die auf die andere Seite der Insel führte. Hier war ein gigantisches Freiluftrestaurant errichtet worden. Die Tische bogen sich unter Dekoration, jede Palme wurde in anderem Licht angestrahlt, überall standen Fackeln und für das Brautpaar war ein roter Teppich auf dem Sand ausgebreitet worden. Dann traf mich der Schlag als ich das bombastische Entrée- Buffet erblickte. Es war ein Moment der Andacht: Da prangte eine riesige Eisskulptur auf einem Tisch aus Mahagoni. Viele hundert Löcher waren in das Eis geschlagen worden- und darin.....SUSHIII...feinstes Sushi... Daneben: große Schüsseln mit verschiedensten Meerestieren. Mein Verstand riet mir dringend davon ab, aber das konnte man sich nun wirklich nicht entgehen lassen. Auf die Gefahr hin, meinen Magen damit endgültig zur Strecke zu bringen, schlang ich tonnenweise Austern, Scampi, Lobster, Shrimps und natürlich Sushi in mich hinein. Um mögliche Keime abzutöten, wurde alles mit einem kräftigen Schluck Rum hinunter gespült. Ein Hoch auf die Karibik!
Dann begann auch schon das Programm. Zunächst wurde die riieesige Hochzeitstorte angeschnitten. Dann kam der Braut- Vater und der Braut- Bräutigam Tanz. Zu romantischer James Blunt Musik schunkelten die Gäste ergriffen mit den Tanzenden mit. Die Sonne war gerade untergegangen, die Leute wurden immer fröhlicher (was daran gelegen haben mochte, dass der Mojito nun in Strömen floss) und einige wie bunte Tiere gekleidete Tänzer motivierten zu Limbo und wilden Polonaisen. Eine der Brautjungfern riss mich auf die Tanzfläche. Wir sprangen durch den Sand und sangen Aruba, Jamaica...ooo I wanna take you... Bermuda, Bahama...cooome on pretty mama... =)
Plötzlich umarmte mich jemand von hinten und hauchte mir seinen ekelhaften Rumgeruch in den Nacken. Ich wollte mich schon empört zur Wehr setzen, drehte mich um- und brach in schallendes Lachen aus. Vor mir stand kein Geringerer als der -inzwischen gut bediente- jüdische Rabbi!! Im nächsten Moment verging mir jedoch das Lachen, als mein Handy klingelte und "Edwina Werleman" anzeigte. Mein Kopf drehte sich wie in Zeitlupe zum Rand der Tanzfläche, wo meine Chefin wie vom Donner gerührt das Geschehen beobachtete. Ihr Blick sagte mir, dass die Party an dieser Stelle für mich beendet war. Auf die Frage, was ich da bitte in meinem Glas hätte, antwortete ich kleinlaut: Ähh....Ice Tea?....
Damit war der Abend erstmal gelaufen.
Zum Glück stand in dieser Nacht noch ein anderes Event an, was Edwina von ihrem Ärger ablenkte. Wir nahmen das nächste Boot zurück nach Aruba. Dort ging es auf direktem Weg zum großen Ballsaal, wo der Sohn des Renaissance- Inhabers mit 800 Gästen seine Hochzeit feierte. Das Buffet hier war noch eine Spur größer, die Stimmung aber bei Weitem nicht so ausgelassen wie auf der kleinen Insel. Wir redeten mit einigen Familienmitgliedern des Hotelinhabers, was offenbar nur der Etikette diente. Denn als ich Edwina hinterher fragte, was ich in Gottes Namen mit wildfremden Großeltern einer wildfremden Braut reden sollte, sagte sie, das spiele keine Rolle, wichtig sei nur DASS ich mit ihnen geredet hätte...
Der letzte Akt an diesem Abend bestand darin, dass Edwina, Shanon, Victor und ich im Café Plaza einkehrten und den Tag besprachen. Ich musste alles genau widergeben, vom Tag der Kontaktaufnahme der Braut bis zum Fotoalbum, das sie in einer Woche bekommen würde. Es war mitten in der Nacht, wir waren alle hundemüde. Nicht so Edwina. Ihr entging kein Zögern, keine Unsicherheit. Aber die Fangfrage, warum der katholische Priester bei der Wärme ne Mütze getragen hatte, konnte ich spontan beantworten...^^...
herzallerliebst :)
AntwortenLöschenbenimm dich mal in Zukunft ein wenig! weniger Salmonellen essen und bei der Arbeit keinen Alkohol... also wirklich :D viel Spaß weiterhin!
echt eh, was ist das bitte für ne einstellung!? =) Nee, inzwischen kenn ich die Regeln und benehme mich- den Zorn von Edwina schwört man nicht zweimal herauf!! ^^
AntwortenLöschenna wollen wir es mal hoffen =)
AntwortenLöschenklingt doch alles sehr Claudia Wagner like =) essen bis der Arzt kommt ;) ich sag nur Rehkeule bei deinem Vater ^^