Montag, 19. Juli 2010

12.- 18. Juli.

Diese Woche war die bis dahin Ereignisreichste von allen.
Wenn mir Aruba auch sofort gefallen hatte, so wünschte ich mich während der ersten Tage dieser Woche Gott weiß wohin.
Der Montag verlief zunächst nicht weiter ungewöhnlich. Im Büro gab es wenig zu tun, da für die kommenden Festlichkeiten schon alles vorbereitet war. Deswegen gab es an diesem Tag pünktlich Mittagessen, was entgegen der bisherigen Erfahrung... etwas interessant schmeckte. Ich traute mich aber nicht, die Gastfreundschaft von Edwina auf die Probe zu stellen und würgte das Zeug hinunter. Hätte ich geahnt, dass ich in der kommenden Nacht auf die "Gastfreundschaft" der Intensivstation angewiesen sein würde- ich hätte keinen Bissen angerührt.
So aber machten wir am Nachmittag noch einige dringende Erledigungen auf der Insel (den obligatorischen Besuch im Maggie's, wo Edwina für 150$ ein winziges Cremedöschen erwarb....) und gingen dann bei Zeiten schlafen. Gegen Mitternacht fand mich Shanon auf den Fliesen liegend im Badezimmer. Auf dem Weg ins Krankenhaus in St Nicolas wurde ich wieder wach. So eine Salmonellenvergiftung fühlt sich ziemlich cool an, wenn man bei 120km/h auf einem rumpligen Highway durchgeschüttelt wird. Der Anblick des Hospitals war auch auf Anhieb vertrauenserweckend. Es gab kaum Sitzgelegenheiten und die drei Klappstühle, die irgendwo herumstanden, waren besetzt. Zum Glück verlor ich nach 10 Minuten wieder das Bewusstsein- dadurch bekam man den Komfort, die zweieinhalb Stunden Wartezeit auf einer Liege verbringen zu dürfen...^^ Mit klitschnassen Sachen schlotterte ich unter einer erbarmungslosen Klimaanlage vor mich hin. Eine völlig verschnupfte Schwester brachte schließlich die Infusion und irgendeine Spritze. Auf die Frage, was sie mir da zu verabreichen gedenkt, meinte sie stirnrunzelnd: "Schtopp Schmarz". Ah ja. Ich lehnte Schtopp Schmarz dankend ab und viel zurück in meinen Dämmerzustand, der mich interessante Dinge an der Wand sehen ließ... Über die Qualitäten des diensthabenden Arztes wollte ich gar nicht erst nachdenken. Gegen halb drei kam eine junge hochgewachsene Frau. Ich schaute kurz hoch und nahm mit Erleichterung zur Kenntnis, dass es sich um eine Europäerin handelte. Wir kannten uns bereits, da ich sie kurz zuvor mit der Hand vorm Mund im Gang umgerannt hatte. Sie war so freundlich gewesen, mir die Toilette zu zeigen.. Die Ärztin verabreichte mir diverses braunes Zeug und ich trank willenlos jedes Medikament das sie mir gab. Anschließend kommentierte sie freundlich, dass ich soeben die höchste Dosis Brechmittel getrunken hatte, die man verabreichen darf... Wenn ich bis dahin der Meinung war, es könne nicht mehr schlimmer werden...nunja...^^
Am nächsten Morgen lies man mich gehen. Ich dankte der heiligen Arubala für die Entlassung aus dieser Folterkammer. Die kommenden Tage waren wahnsinnig spannend... Ich vegetierte in meinem Zimmer (Südseite) vor mich hin. Im Übrigen kann man Moskitos mit einer Hand in der Luft erwürgen!...
Nach einem Tag konnte ich wieder Knäckebrot essen. Nach zwei Tagen konnte ich Knäckebrot ohne Paracetamol essen. Und nach drei Tagen konnte ich kein Knäckebrot mehr sehen.
Zum Glück wendete sich das Blatt am Samstag, den 17. Juli. Eine besonders große Hochzeit stand auf dem Plan. Sie sollte auf der Renaissance Island stattfinden, einer Privatinsel, die Aruba direkt vorgelagert ist (siehe Bilder bei studi). Am frühen Morgen fuhren wir zum Hafen, von wo aus uns ein Schnellboot zu dieser wirklich traumhaft schönen Insel brachte. Der frische Wind tat gut, auch wenn die Wellen ganz schön schaukelten. Auf der Renaissance Island angekommen, gab es eine Menge zu tun. Das Paar hatte ein sehr aufwendiges Set up gebucht, welches nun aufgebaut wurde. Shanon und Victor schufteten bis zur Erschöpfung. Mein Job an diesem Tag bestand darin, alle mit Wasser zu versorgen und selbst ausreichend zu trinken. Zwischendurch fotografierte ich Mangrovenwälder, schillernde Iguanas, Vögel und freilebende Flamingos. Am späten Nachmittag trafen die ersten Gäste ein. Sie schienen alle recht gut betucht zu sein (später erzählte mir einer der Kellner, dass für die gesamte Hochzeit 35ooo$ bezahlt worden waren. Die Insel sei u.a. Hochzeitslocation für Timbaland und ähnliche Prominenz gewesen).
Als die Braut kam, versammelten sich etliche junge Männer mit Palmenwedeln um die Anlegestelle um die Graziella vor der Sonne zu schützen. In meinen Augen war sie von allen jungen Damen bisher die am wenigsten attraktivste- aber offenbar die Wohlhabendste. Die Zeremonie, deren Herrschaft ein merkwürdiger jüdischer Rabbi inne hatte, verlief reibungslos (bis auf dass meine Kamera mal wieder im richtigen Moment "low battery" anzeigte...) Im Anschluss fand der offizielle Empfang statt. Dazu überquerten die Gäste eine Art Hängebrücke, die auf die andere Seite der Insel führte. Hier war ein gigantisches Freiluftrestaurant errichtet worden. Die Tische bogen sich unter Dekoration, jede Palme wurde in anderem Licht angestrahlt, überall standen Fackeln und für das Brautpaar war ein roter Teppich auf dem Sand ausgebreitet worden. Dann traf mich der Schlag als ich das bombastische Entrée- Buffet erblickte. Es war ein Moment der Andacht: Da prangte eine riesige Eisskulptur auf einem Tisch aus Mahagoni. Viele hundert Löcher waren in das Eis geschlagen worden- und darin.....SUSHIII...feinstes Sushi... Daneben: große Schüsseln mit verschiedensten Meerestieren. Mein Verstand riet mir dringend davon ab, aber das konnte man sich nun wirklich nicht entgehen lassen. Auf die Gefahr hin, meinen Magen damit endgültig zur Strecke zu bringen, schlang ich tonnenweise Austern, Scampi, Lobster, Shrimps und natürlich Sushi in mich hinein. Um mögliche Keime abzutöten, wurde alles mit einem kräftigen Schluck Rum hinunter gespült. Ein Hoch auf die Karibik!
Dann begann auch schon das Programm. Zunächst wurde die riieesige Hochzeitstorte angeschnitten. Dann kam der Braut- Vater und der Braut- Bräutigam Tanz. Zu romantischer James Blunt Musik schunkelten die Gäste ergriffen mit den Tanzenden mit. Die Sonne war gerade untergegangen, die Leute wurden immer fröhlicher (was daran gelegen haben mochte, dass der Mojito nun in Strömen floss) und einige wie bunte Tiere gekleidete Tänzer motivierten zu Limbo und wilden Polonaisen. Eine der Brautjungfern riss mich auf die Tanzfläche. Wir sprangen durch den Sand und sangen Aruba, Jamaica...ooo I wanna take you... Bermuda, Bahama...cooome on pretty mama... =)
Plötzlich umarmte mich jemand von hinten und hauchte mir seinen ekelhaften Rumgeruch in den Nacken. Ich wollte mich schon empört zur Wehr setzen, drehte mich um- und brach in schallendes Lachen aus. Vor mir stand kein Geringerer als der -inzwischen gut bediente- jüdische Rabbi!! Im nächsten Moment verging mir jedoch das Lachen, als mein Handy klingelte und "Edwina Werleman" anzeigte. Mein Kopf drehte sich wie in Zeitlupe zum Rand der Tanzfläche, wo meine Chefin wie vom Donner gerührt das Geschehen beobachtete. Ihr Blick sagte mir, dass die Party an dieser Stelle für mich beendet war. Auf die Frage, was ich da bitte in meinem Glas hätte, antwortete ich kleinlaut: Ähh....Ice Tea?....

Damit war der Abend erstmal gelaufen.
Zum Glück stand in dieser Nacht noch ein anderes Event an, was Edwina von ihrem Ärger ablenkte. Wir nahmen das nächste Boot zurück nach Aruba. Dort ging es auf direktem Weg zum großen Ballsaal, wo der Sohn des Renaissance- Inhabers mit 800 Gästen seine Hochzeit feierte. Das Buffet hier war noch eine Spur größer, die Stimmung aber bei Weitem nicht so ausgelassen wie auf der kleinen Insel. Wir redeten mit einigen Familienmitgliedern des Hotelinhabers, was offenbar nur der Etikette diente. Denn als ich Edwina hinterher fragte, was ich in Gottes Namen mit wildfremden Großeltern einer wildfremden Braut reden sollte, sagte sie, das spiele keine Rolle, wichtig sei nur DASS ich mit ihnen geredet hätte...
Der letzte Akt an diesem Abend bestand darin, dass Edwina, Shanon, Victor und ich im Café Plaza einkehrten und den Tag besprachen. Ich musste alles genau widergeben, vom Tag der Kontaktaufnahme der Braut bis zum Fotoalbum, das sie in einer Woche bekommen würde. Es war mitten in der Nacht, wir waren alle hundemüde. Nicht so Edwina. Ihr entging kein Zögern, keine Unsicherheit. Aber die Fangfrage, warum der katholische Priester bei der Wärme ne Mütze getragen hatte, konnte ich spontan beantworten...^^...


Dienstag, 13. Juli 2010

5. - 9. Juli. Die erste richtige Arbeitswoche.

Montag. An diesem Tag bekam ich meine offizielle Mitarbeiter email- Adresse. Von nun an hagelten Anfragen auf mich ein, dass ich an diesem Vormittag gar nicht mehr wusste, wo mir der Kopf stand. Kaum hatte man 10 emails beantwortet, kamen schon 20 neue Anfragen. Unglaublich, was die Leute für Geld haben müssen, sich hier eine Hochzeit leisten zu können. Und auf was für Ideen die teilsweise kommen...Neulich wollte einer allen Ernstes ein Nilpferd mieten! Das wäre DIE Überraschung für seine Angebetete, Tierpflergerin von Beruf, und das wolle er ihr keinesfalls vorenthalten. Ich versicherte ihm, dass er sie damit zweifellos überglücklich machen würde, fügte aber hinzu, dass ich auf Aruba noch keinem Nilpferd begegnet sei und ob er sich eventuell auch mit Schildkröten oder Leguanen anfreunden könnte. Bisher kam noch keine Antwort.

Dienstag. Um 10 Uhr Vormittags stand die erste Civil Wedding- das heißt so viel wie Standesamt- auf dem Programm. Dabei gibt man sich in einem Raum dessen Innentemperatur ca. 10 Grad unter Null beträgt (die Klimaanlage dort meint es wirklich zu gut) in FlipFlops und Hawai- Hemd das Ja- Wort. Eine Art Pfarrer murmelt fließbandähnlich ein paar nette Worte, danach werden Fotos auf der Freitreppe geknippst und dann ist man verheiratet. Also eine recht übersichtliche Prozedur. Dennoch hatte ich vor dem nächsten Tag ziemlichen Respekt, denn da sollte ich die erste Civil Wedding allein organisieren.

Mittwoch. Alles funktionierte prima. Leider war Diane, unsere Fotografin, kurzfristig krank geworden. Deswegen zückte ich meine Kamera und versuchte, den Wünschen der Braut nachzukommen, die unter keinen Umständen von rechts fotografiert werden durfte- warum auch immer... Danach bekam ich sogar mal ein Lob von Edwina.

Donnerstag. Edwinas Geburtstag. Um zehn Uhr stand jedoch schon die nächste Hochzeit auf dem Programm, wieder im Standesamt von Aruba. 9 Uhr 15 sollte Edwina das Brautpaar vom Hotel abholen. Zwanzig nach neun kam sie völlig zerschlagen aus dem Bad. Sie zerrte mich im Sprint hinter sich aus dem Haus zum Auto. Ich konnte im Vorbeigehen gerade noch ihre rote Mappe, in der alle Dokumente für die Hochzeit bereitlagen, greifen und dann fuhr sie los. Unterwegs schoss ihr siedendheiß der Gedanke an ihr Handy durch den Kopf. Dieses lag zu Hause auf dem Küchentisch. Wenn Edwina allein 2-3 Anrufe von potentiellen Kunden verpasst, kann das einen Verlust von ca. 18 000 Dollar bedeuten. Für sie also eine Katastrophe. Nicht minder erbauend war das Brautpaar, das nun schon seit 20 Minuten auf uns wartete. Die Frau schaute ärgerlich auf die Uhr, als wir ins Foyer stürmten. Die Zeremonie an sich verlief dann zum Glück ohne Zwischenfälle.
Auf dem Rückweg erfuhr ich endlich, warum Edwina so außer sich war. Ihr Neffe (der mit den Gangsterbrüdern) war drei Tage vor seiner Beförderung wegen einer Schlägerei von der Police Academy geflogen. Er hatte somit drei Jahre mal eben in den Sand gesetzt, die von Edwina finanziert worden waren.
Zu allem Überfluss musste sie sich jetzt um ihre Geburtstagsgäste kümmern und sich so verhalten, als wäre nichts passiert. Ich tat mein Bestes, ihr die Arbeit abzunehmen und mich ein wenig um die Leute zu kümmern. Als dann endlich alle weg waren, schloss sich Edwina in ihrem Zimmer ein. Ich hörte sie in der Nacht bestimmt 5 mal aufstehen und nach ihrem Neffen sehen, der erst gegen 6 heim kam.

Freitag. Der Tag, an dem Jamile zum Officer ernannt worden wäre war gleichzeitig der Tag, an dem ich bei der Polizei mein Visum zu verlängern hatte. Und natürlich bekam Jamile zur Strafe den Auftrag, mit mir dorthin zu fahren. Auf dem Weg fragte ich mich, für wen das die größere Strafe war, für ihn oder für mich. Er war so stinksauer, dass er die Musik auf volle Lautstärke stellte und fuhr, als säßen wir im Autoscooter. Trotzdem hielt er mir freundlich die Tür auf, als wir da waren und half mir auf dem Präsidium mit dem Papierkram. Das schien ihn von den Blicken abzulenken, die die Angestellten ihm dort zuwarfen. In diesem Moment tat er mir irgendwie leid.
Der Abend setzte dem ganzen noch die Krone auf. Nach einem überdurchschnittlich heißen Tag wurde der Himmel mit einem mal pechschwarz und dann brach ein Unwetter über dem Atlantik los, dass ich dachte, die Insel würde im nächsten Moment versinken. Am darauffolgenden Tag waren mehrere Stromleitungen defekt und in vielen Häusern hatte der Blitz eingeschlagen. Zum Glück waren wir verschont geblieben.

Dienstag, 6. Juli 2010

03. Juli. Der erste Off- day...

Auf den ersten freien Tag hier auf der Insel freute ich mich schon sehr. Da Edwina die Sache mit dem Arbeiten ziemlich ernst nimmt, war ich bis zu diesem Tag noch kein einziges mal im Meer baden. Gleich nach dem Frühstück fuhren wir an den Strand. Es war kurz nach zehn. Das hieß, das Deutschlandspiel lief schon seit einigen Minuten. Ich suchte mir ein hübsches Hotel, wo man vor dem Pool eine große Leinwand aufgebaut hatte. Hier ließ es sich aushalten. Der Pool unterteilte sich in zwei Gruppen. Auf der Linken dümpelten die Argentinier vor sich hin und auf der rechten der deutsche Fanblock. Ich gesellte mich zu letzteren und freute mich, mal wieder ein paar einheimische Sätze wechseln zu können. Als das vierte Tor fiel, war ich gerade auf dem Rückweg von der Bar zum Pool. Ich konnte nicht umhin, mit Anlauf eine Arschbombe in die Argentinier zu springen- woraufhin diese ärgerlich aus dem Wasser stiegen...^^
Nach dem Spiel schlenderte ich knapp drei Stunde durch die kleinen Straßen von Oranjestad. Zwei mal kam ich an einem Starbucks vorbei und war stolz, nicht reingegangen zu sein. Beim dritten mal wurde ich schwach und leistete mir einen suuuper leckeren eiskalten Caramel Frappuccino. Dann knippste ich mir die Finger wund- es gab sooo viel tolles zu fotografieren.
Gegen Abend holte mich Johnathan, einer von Edwinas Neffen, mit dem Auto ab. Er war schon da, bevor man ihn sah. Der Bass dröhnte den Highway runter. Auf dem Heimweg begegnete er in einer Seitenstraße seinen ultimativen Gängsterbrüdern. Mit quietschenden Reifen hielt er an und begrüßte jeden mit fünf Minuten Handschlag und "Ey Yo Man Whats up".... Ich kam mir irgendwie fehl am Platz vor... Zum Glück fuhren wir dann heim.

Samstag, 3. Juli 2010

01. Juli. Das erste große Event...

Dieser Tag war von Beginn an anstrengend. Den ganzen Vormittag räumten wir alle möglichen Utensilien hin und her, packten Tischdecken, Silberbesteck und verschiedenes Werkzeug zusammen und verstauten alles in großen Kisten, die bald bis zur Decke hoch reichten. Edwina scheuchte uns durch das Haus wie ein General seine Soldaten. Sobald ihr Telefon klingelte, musste sofort jemand parat stehen, der verfolgt hatte, wo sie es diesmal wieder hingeknallt hatte und ihr das Telefon bringen. Meistens legte sie es dann mit einem gelangweilten Blick zur Seite, ohne ranzugehen. Dann wurde ich beauftragt, die Tische und Stühle hereinzutragen. Diese befanden sich in dem rostigen Container vor dem Haus. Das Drama begann damit, dass dessen Tür offenbar schon versteinert war. Jedenfalls bewegte sie sich keinen Millimeter. Erst als Marrybelle kam und wir dieses Monstrum mit vereinten Kräften bearbeiteten, schwang sie quietschend auf. Der Anblick, der sich uns bot, war wirklich...interessant. Ein Haufen staubigen Gerümpels. Nach den ersten zwei Schritten in diesen Müllwagen wollte ich schon kehrt machen, denn in allen Ecken raschelte und zischte es, als lebten hier alle Krabbeltiere der Insel. Nur nicht weiter denken... Was wolltest du noch gleich ... Tische, Stühle..... NETZ!!! GROßES Netz!!!! Schreiend rannte ich aus dem Container. Die arme Marrybelle erschreckte sich fast zu Tode und fiel in ein Gestrüpp. Ärgerlich kam Edwina aus dem Haus und erkundigte sich, was hier vor sich ging. Ich deutete wortlos auf die dicken weißen Fäden im Inneren des dunklen Containers. Da lachte sie mich aus und meinte, die Spinne sei sicher schon vertrocknet...Sehr schön. Ich bat Edwina, Mittagessen kochen gehen zu dürfen- und war verschwunden.
Anschließend standen noch einige Erledigungen auf dem Plan. Dann fuhren wir zum "Set". Die Hochzeit sollte am Eagle Beach stattfinden. Dort angekommen musste jeder mit anfassen und beim Aufbauen helfen. Edwina hatte 3cm dicke Gummischuhe an. Diese begannen nach etwa 20 Minuten zu schmelzen. Ich trug FlipFlops. Nun ja. Dann kamen die ersten Leute. Edwina war ein reinstes Nervenbündel. Und was noch viel schlimmer war: Sie war weg. Da stand ich nun allein mit dem Zeremonieminister, den kanadischen Fotografen und dem Musiker und versuchte, die Leute so gut es ging zu unterhalten. Mittlerweile kamen auch schon die ersten Gäste. Langsam wurde ich nervös. Dann tauchte Edwina endlich auf. Sie war frisch gekämmt, hatte neue Sachen an und war auf einmal so liebzeizend zu allen, dass ich mich fragte, ob die selbe Person vor mir stand...Sie dirigierte die Paarungen zum jeweiligen Sitzplatz. Mit einer Eleganz die ich ihr nicht zugetraut hätte, koordinierte sie das ganze Set. Alles lief nach Plan. Inzwischen war die Braut angekommen und Edwina vereinbarte ein Zeichen, auf welches hin ich sie aus dem Wagen zu ihren Eltern führen sollte. Sie war wirklich umwerfend schön. Detaillgetreue Berichte über das Kleid lasse ich mal aus...;) Zusammen mit ihren Eltern stolzierte sie dann zu unserem mühsam aufgerichteten Bamboo Arch. Das war wirklich ein Bild zum Verlieben. Dafür hatte sich die Arbeit gelohnt.
Während der Zeremonie schenkten wir den Champagner ein. Ein Windstoß wehte die ersten drei Gläser um, sodass die Flaschen gerade so ausreichten. Nachdem das Brautpaar symbolisch gemeinsam ein Stück Kuchen verzehrt hatte, schleppte ich die zweistöckige Hochzeitstorte zurück zum Auto. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich einfach nicht widerstehen konnte... Ich probierte nur ein winziges Stück. Dummerweise fiel das Ding an jener Stelle voll in sich zusammen. Ich kratze ein bisschen Sahne von einer anderen Stelle und füllte das Loch damit auf. Passt. Dann ging es auch schon zurück zum HollidayInn, wo das Brautpaar die Nacht verbringen wollte. Edwina war wie ausgewechselt. Sie plapperte ununterbrochen wie toll alles war und dass sie seeehhhr stolz auf sich sei... Konnte sie aber auch sein.
Um den Tag schön ausklingen zu lassen, kauften wir unterwegs eine Flasche Wein und setzten uns später damit in den Garten. Wir ließen den Tag noch einmal Revue passieren und gingen dann schlafen. Alles in allem war es ganz schön nervenaufreibend, aber auch sehr eindrucksvoll.

Freitag, 2. Juli 2010

29. Juni. Der erste offizielle Arbeitstag.

An diesem Morgen war ich der Zeitverschiebung dankbar. Um acht (14 Uhr deutsche Zeit) wachte ich auf. Marrybelle war schon längst aufgestanden. Das verriet der Duft nach Café und Toast. Vor dem Frühstück musste ich aber erstmal duschen gehen. Trotz der Klimaanlage waren meine Sachen klatschnass.
Gegen zehn hatte ich mich im Büro einzufinden. Arbeitsbesprechung. Nach drei Stunden fing mein Magen an zu knurren, aber Edwina blieb hart. Sie knallte mir einen Stapel Papier auf den Tisch, mit den Worten "put this in order"... 600 Emails später gab es Mittagessen. Marrybelle hatte sich wirklich selbst übertroffen. Es gab eine Mischung aus Reis und Nudeln, Gemüse und Atlantic Sea Food. Sehr lecker...;) Darauf folgte eine kurze Siesta. Am Nachmittag begannen wir mit den Vorbereitungen für die Hochzeit am Donnerstag, den 1. Juli. Edwina erklärte einiges und ich lauschte ihr mit großem Interesse. Das klang echt cool, wenn alles so funktionierte, würde das Brautpaar sicher einen schönen Tag erleben.
Als es am Abend etwas kühler wurde, fuhren wir in die Stadt. Dort bekamen Marrybelle und ich ein leckeres Haägen Dazs Eis, mit dem wir durch die Fußgängerzone schlenderten. Dann setzten wir uns ins "Springbrunnentheater". Dort wird eine Art Kunstfeuerwerk, nur eben mit Wasser, gezeigt und dazu Musik gespielt. Danach kauften wir noch ein paar Dinge für den kommenden Tag und fuhren nach Hause.
Langsam begann mir das Training ganz schön zu fehlen. Ich machte noch einen Spaziergang, bei dem über mir ganz andere Sterne leuchteten als sonst ;) So weit weg von zu Hause...

30. Juni.

Pelzig. Schnaufend. Nass.

Hodge. Waaahhhh!!!!

Ich schreckte hoch als mir irgendwas ekliges übers Gesicht leckte. Hodge hatte sich, Gott weiß wie, einen Weg in mein Zimmer gebahnt und schlabberte mir munter das Gesicht ab. Zudem hatte er gerade gefrühstückt. Ärgerlich schob ich seine Schnauze zur Seite und stand auf. Mit halbgeschlossenen Augen tastete ich mich wie eine Mumie ins Bad. Natürlich kam in diesem Moment Jeydan, Edwinas Neffe, heraus. Er murmelte irgendwas von "oh my god" und lies mich durch. Sicher war das ein stilvoller Anblick, im Schlafanzug mit irgendeiner schleimigen Masse im Gesicht. Danke, Hodge.
Nach diesem tollen Start in den Tag frühstückten wir erstmal ausgiebig. Es war schon wieder so heiß, dass wir uns beinahe auf das kühle Büro freuten. Nach dem Mittagessen gab es nicht mehr viel zu tun. Wir hatten alle Beteiligten noch mal an den Hochzeits- Termin morgen erinnert- die Floristin, den Bäcker, den Transport Service, die Polizei -da fällt mir ein, bei der hab ich mich noch immer nicht gemeldet-, die Friseuse, den Zeremonieminister. Everything done.
Am Abend fuhren wir gemeinsam nach San Nicolas, zu der Schwester von Edwina. Deren kleine Tochter hatte Geburtstag. Auf dem Weg nach San Nicolas zeigte mir Edwina einige versteckte Winkel der Insel. Auf diesem Rundweg sah ich zum ersten mal, wie schön Aruba wirklich ist. Das Innere ist relativ trocken, aber trotzdem sehr grün und es gibt lustige Tiere. Zum Beispiel freilaufende donkeys ;)
Der Abend wurde recht gemütlich. Die Leute waren ganz nett, nur leider verstand ich rein gar nix. Die Sprache, die hier gesprochen wird, gleicht ein wenig dem Spanischen, aber sonst ist daraus bisher nix Brauchbares zu entnehmen. Zum Abendessen gab es ein Stück Zuckerguss (Eigentlich der Geburtstagskuchen, aber die chemische Zusammensetzung enthielt nix was Kuchenteig entsprach). Auf dem Rückweg war uns allen schlecht. Edwina mampfte trotzdem noch ein Sandwich vor dem Schlafengehen... Der nächste Tag würde anstrengend werden, also legten wir uns bald schlafen. Ich freute mich schon sehr auf die erste richtige Hochzeit. Vor allem deswegen, weil sie am Strand stattfand, den ich bisher nur von weitem zu sehen bekommen hatte.