27. Juni. Das Abenteuer Aruba...
Die Reise begann mit einem traurigen Abschied am Bahnhof. 10 Wochen ohne Dresden, das fiel mir schon etwas schwer. Der Weg nach Berlin kam mir ewig lang vor. Endlich in der Hauptstadt angekommen drang ein ohrenbetäubender Lärm durch die Bahnhofshalle. Zwischen "Who the fuck is England" und "Ein Jogi Löw...es gibt nur ein Jogi Löööööw" verstand man sein eigenes Wort nicht mehr. Die Stunde Aufenthalt wurde ganz witztig. Zwischen durchgedrehten Fans, und kopfschüttelnden Bahnangestellten saß ich vor der IKEA- Tüte, in der meine Mutter Essen für die nächsten 300 Jahre verstaut hatte.
Dann fuhr auch schon der Zug nach Amsterdam. Vor mir saßen zwei junge Männer, die sich angeregt über das anstehende Spiel unterhielten. Sie sprachen eine geniale Mischung aus Englisch, Niederländich und Französisch. Der bayrische Akzent des Einen war nicht zu überhören. Nachdem der Zugfahrer das zweite Tor bekanntgegeben hatte, gab ich mich als Deutsche zu erkennen. Fortan war ich Clubmitglied...^^ Nach dem dritten Tor jubelte das ganze Abteil. Dann wurde es mit einemmal unsagbar heiß in dem Wagon. Die Klimaanlage war ausgefallen. Plötzlich stoppte der Zug. Jemand hatte die Notbremse gezogen. Zwei Fahrgäste waren kollabiert. Nachdem die beiden abtransportiert worden waren, ging die Fahrt in dieser Sauna weiter. Noch sechs Stunden... Ludwig, der mit dem bayrischen Akzent, war auch schon halb am ersticken. Wir plauderten über dies und das, um die Zeit ein wenig zu verkürzen. Es stellte sich heraus, dass er ein Regensburger Student in geheimer Mission war, der die kommenden drei Tage in Amsterdam verbringen wollte...^^ Bevor er am Zentral- Bahnhof ausstieg, verabredeten wir uns für den Abend. Ich wollte mir unbedingt die Stadt ansehen, aber allein hätte ich mich nachts wohl nicht nach Amsterdam getraut.
Gegen sieben war ich in Schiphol- Airport. Das Flughafengelende war riesig. Zum Glück wurde mein Hotel ausgeschildert. Beziehungsweise der Weg zum kostenlosen Shuttleservice...^^
Das Hotel war wunderbar, ein großes helles Zimmer, ganz für mich allein. Viel Zeit zum Ausruhen blieb nicht, der Weg in die Innenstadt war noch lang. Also machte ich mich nur kurz frisch und stiefelte dann mit einem Stadtplan und meiner neuen Kamera bewaffnet nach draußen. Die Luft war jetzt etwas kühler und ich fühlte mich herrlich frei ohne das viele Gepäck.
Als ich aus dem Hauptbahnhof trat, sah ich die erste Gracht, hinter der gerade die Sonne unterging. Ludwig und ich brauchten eine Weile, ehe wir uns fanden. Aber irgendwann hatte ich mich zur Jodenbreestraat durchgefragt und da stand er auch schon auf dem Neumarkt und wedelte fröhlich mit dem Stadtplan. Wir einigten uns schnell auf ein thailändisches Restaurant wo wir einige Stunden saßen und die vorbeischlendernden Leute (mit auffällig geweiteten Pupillen) begutachteten. Auf dem Rückweg meinte ich nur zum Spaß zu Ludwig, er möge bitte die schlimmen Viertel vermeiden. Daraufhin zuckte er mit den Schultern und gab zurück, dass er sich da leider nicht auskenne. Und schon standen wir prompt in einer Gasse die mehr als rot angeleuchtet war. Unfassbar wir die Frauen dort herumliefen! Wir beeilten uns, dort wieder rauszukommen und liefen weiter zum Bahnhof. Da verabschiedeten wir uns und wünschten einander viel Glück bei dem Kommenden.
28. Juni. Die Reise geht weiter...
Den nächsten Morgen hätte ich am liebsten verschlafen. Mir gruselte es vor dem langen Flug ins Unbekannte. Aber das leckere Frühstücksbuffet lockte dann doch und bewegte zum Aufstehen.
Der Aufenthalt auf dem Schiphol Airport war nervig. Das Ein- und Auschecken funktionierte ausschließlich über Maschinen, ich redete mit keinem einzigen Mitarbeiter. Nur im Change- Büro, an dem eine schlappe halbe Stunde angestanden wurde, saß eine unfreundliche KLM- Mitarbeiterin die mir missmutig ein paar Dollarscheine wechselte. Dann schleppte ich meine Sachen zu Gate 20a. Als ich das riesige blauweiße Flugzeug sah, wurde ich dann doch etwas aufgeregt. In der Gangway gab es Wegweiser, je nachdem in welcher Etage (!) und auf welcher Seite der Sitzplatz zu finden war. Zum Glück war die Maschine nicht voll. Sobald die Anschnallzeichen erloschen waren, schnappte ich mir alle auffindbaren Kissen und Decken und reservierte eine Viererreihe zum Schlafen. Herrlich...das Wort "Himmelbett" bekam eine völlig neue Bedeutung.
Zufällig wurde ich immer dann wach, wenn es Essen gab...verrückt...^^ Dann wollte ich einen Film schauen. Es gab allerdings nur englische Exemplare und man muss es ja nicht übers Knie brechen, dachte ich, und packte mein Buch aus. Dann war die Zeit auch schon rum, das Meer unter uns wurde wunderschön blau und vereinzelt zeigten sich die ersten Inselchen. Dazu noch die Fluch der Karibik Musik- ä draauum.
Weniger traumhaft wurde die offizielle Einreise. Der Zollbeamte nuschelte irgendwas von Visum, das meine Chefin nicht beantragt hatte. Er wollte mich partout nicht vorbeilassen. Nachdem ich 10 Minuten mit ihm diskutiert und fest versprochen hatte, mich innerhalb der nächsten zwei Tage auf der Polizeistation zu melden, lächelte er dann aber doch und ließ mich passieren.
In der Empanfgshalle standen zwei Damen. Die eine starrte verloren in der Gegend herum. Die andere hielt ein graues Pappschild hoch, auf dem in grauer Schrift ein Name geschrieben war. Zweifellos mein Abholkommando. Ich holte tief Luft und ging auf die beiden eigentümlichen Graziellas zu.
Auf dem Weg zu meinem neuen Zuhause plapperten die beiden ohne Unterbrechung auf mich ein. Zum Glück in verständlichem Englisch. Überzeugt, ganz gut mit den beiden auskommen zu können, sah ich mir gespannt das Haus an: Ein im afrikanischen Stil errichtetes Loft mit allem Drum und Dran. Und vor allem sauber! Letzteres war Marrybelles Verdienst. Mit dem kolumbianischen Zimmermädchen verstand ich mich auf Anhieb. Naja, verstehen ist übertrieben, die redet nämlich alles andere als Schulbuchspanisch (nicht dass ich damit besser klargekommen wäre), aber sie wirkt auf jeden Fall sympatisch. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so auffällig unauffällig ist wie Marrybelle. Weniger unauffällig verhielt sich Hodge, die Deutsche Dogge von Edwina, meiner neuen Chefin und Hauseigentümerin. Er schlabberte meine nackten Beine ab als ob es kein Morgen gäbe. Ich bekräftigte mehrmals how sweeeeet ich ihn fand- und erkundigte mich dann dezent nach dem Bad.
Am Abend machten wir noch einige Erledigungen auf der Insel. Die Umgebung hier ist traumhaft! Viel schöner als auf den Google- Bildern. Aber langsam machten sich die sechs Stunden Zeitverschiebung und die Hitze- es ist wirklich bombastisch heiß hier!- bemerkbar... Meine letzte Handlung an diesem Abend bestand darin, die Klimaanlage auf maximale Kälte zu programmieren- dann schlief ich ein...
Mal sehen, was die kommenden Tage so bringen...